Baustellenbesichtigung am Jenner

Erster Eindruck nach dem Verlassen der Bahn
Wenige Meter weiter wird vor dem Betreten gewarnt -Lebensgefahr!
Überschussmaterial für die alpinen Matten im Nationalaprk; die Mauer, hinter der sich die Appartements liegen, ist die Grenze

(25.06.2019) Der Weg über den Mitterkaser und die Jennerwiesenstation am 23.06.2019 war mehr als ernüchternd. Bedenkt man, dass der Jenner einst Teil des Naturschutzgebietes war und jetzt vom Nationalpark umgeben ist, so stellt sich die Frage, welches Bergerlebnis auf der Bergstation verkauft werden soll - eine Baustelle in 1.800 Metern mit zerstörten Bergwiesen und alpinen Matten?

Details zur Entwässerung

Details zum Birkhuhn-Balzplatz an der alten Jennerwiesenbahn


Jenner - Oben Ohne beim SZ-Bericht

Birkhähne bei der Balz, Foto Toni Wegscheider

Baustraße führt mitten durch einen regional bedeutsamen Balzplatz des Streng Geschützten Birkhuhns

(22.12.18) Ein ansonsten  ausgewogener Artikel übersieht diesen entscheidenden Unterschied.

Im SZ-Artikel vom 15.12.2018 wird behauptet:

 

 

Weil die Baustraße nahe an einem Balzplatz des geschützten Birkhuhns vorbeiführt, erwirkte der Bund Naturschutz Berchtesgadener Land, dass zwischen Mitte März und Mitte Juni dieses Jahres die Bauarbeiten stillstehen mussten.

 

 

Tatsächlich führt die Baustraße mitten durch einen auch regional bedeutsamen Balzplatz, denn es ist der Platz mit der höchsten Dichte balzender Hähne weit und breit (hoffentlich bleibt es auch so!).

Wenn vom Naturschutz toleriert wurde, die Baustraße dort hindurchzuführen, ist es selbstverständlich, dass die Maßnahmen zum Schutz der streng geschützen Art – die von der Jennerbahn im übrigen selbst vorgeschlagen wurden – auch eingehalten werden.

Ansonsten müsste angenommen werden, dass diese Schutzmaßnahmen nur pro forma auf dem 'geduldigen' Papier formuliert wurden um dem Naturschutz die Zustimmung abzuringen und der Artenschutz -wie so oft - auf der Strecke bleiben sollte.

So richtig glaubhaft erschien die Antwort des Redakteurs auf den Vorhalt nicht: 'Er habe es so verstanden', schließlich verwechselt doch auch keiner, ob man nahe an seinem Garten vorbei oder mitten durch gefahren ist.


Unzureichende Planung Ursache für Terminverschiebung an Jenner-Bergstation

Birkhahn am kleinen Jenner, Foto Toni Wegscheider
Jenner Baustelle Bergstation im Mai 2018
Jenner Baustelle Bergstation im Mai 2018
Abraum in den Nationalpark gekippt?
Jenner Bergstation Mai 2018; im Vordergrund Abraumauffüllung im Nationalpark
Baustelle Jenner-Bergstation 11.11.2018 gut zu erkennen die fortschreitende Auffüllung im Vergleich zum Mai 2018 in den Nationalpark
Was verbirgt sich unter der Folie, die in den Nationalpark führt? Wahrscheinlich die Entwässerung, die zuvor auf der anderen Bergseite bei Starkregen die Mure Richtung Hugo Beck-Haus ausgelöst hat

Der BUND Naturschutz widerspricht der Darstellung des Bürgermeisters und der Jennerbahn AG.

(18.05.2018) Kürzlich wurden auf der Bürgerversammlung von Bürgermeister Hannes Rasp der Streit mit Vertretern des BUND Naturschutz (BN) wegen des Birkhuhns als Grund für die Verzögerungen am Bau und Fertigstellungstermin der Bergstation genannt. An anderer Stelle wird vom Vorstandsvorsitzenden Michael Emberger das Birkhuhn für die Verzögerung als Ursache erkannt und erklärt, das Birkhuhn habe der Jennnerbahn AG eine Menge Geld gekostet.

Da diese und ähnliche Behauptungen hartnäckig wiederholt werden und dann irgendwann zur Tatsache gemacht werden, möchte der BN die Sachlage noch einmal richtigstellen. Das Birkhuhn ist eine besonders streng geschützte Art von europäischer Bedeutung. Sowohl in Bayern als auch Deutschland findet sich der Vogel auf der Roten Liste als vom Aussterben bedrohte Art. In der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) der Jennerbahn AG vom 08.11.2016 heißt es dazu:‚Die Nutzbarkeit der weithin offenen Balzplätze kann auch im Baujahr durch eine günstige Wahl der Bauzeiten, d. h. außerhalb der Balz-, Brut- und Aufzuchtsmonate sowie der Wintermonate, somit unter Berücksichtigung des Birkhuhns bevorzugt im Juli und August (nach Frühjahrsbalz und Brut, aber vor der Herbstbalz) gewährleistet werden. Eine vorhabensbedingte Schädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten ist nach der Umplanung nicht mehr zu konstatieren.‘

Die Vermeidungsmaßnahmen zum Schutz des Birkhuhns wurden von der Jennerbahn AG mit der dafür zuständigen Regierung von Oberbayern abgestimmt und sogar reduziert, denn während der Brut- und Aufzuchtsmonate sowie während der Wintermonate durfte gearbeitet werden, z. T. mit zeitlichen Beschränkungen.

Der BUND Naturschutz ist der Jennerbahn AG gegenüber wiederholt kompromissbereit gewesen und ihr auch beim Erörterungstermin im Januar 2018 bei Gericht entgegengekommen. Z. B. hat der BN den Eilantrag zur Klage gegen die Baugenehmigung einstellen lassen, d. h. ohne dieses Entgegenkommen wäre an der Bergstation ein Schwarzbau bis zur Erteilung einer neuen Baugenehmigung gestanden.

Es ging dem BN entgegen allen Behauptungen nicht darum, das Projekt zu verhindern oder jetzt zu blockieren. Aber Artenschutz ist eine Größe, die in einer hochsensiblen Natur direkt neben und teilweise auch im Nationalpark einfach Vorrang hat und eben nicht nur auf dem Papier und in Schönreden. Gerne hätte es der BN eine Nummer kleiner gehabt, das ist unbestritten. Da stimmen auch sehr viele Einheimische und Touristen mit dem BN überein.

Das bedeutet aber nicht, dass es einfach hingenommen wird, wenn die vom Antragsteller selbst verfassten Natur- und Artenschutzmaßnahmen zu reinen Papiertigern herabgestuft werden sollen, zumal unklar ist, welche Auswirkungen künftig verlängerten Betriebszeiten und Massentourismus in dem kleinteiligen Gebiet auf die lokale Birkhuhnpopulation haben werden.

Für den BN stellt sich die Situation so dar, dass eigene Fehler der Jennerbahn AG bei der Größe der Bergstation und vor allem in den Planungsabläufen – wie z. B. die Winterbaustelle auf 1800 m Seehöhe - wider besseres Wissen nun dem BUND Naturschutz und dem Birkhuhn angelastet werden sollen.

Dies sollte die Jennerbahn AG bei künftigen Äußerungen bedenken.


Biodiversität

Roter Apollo, seit 1936 unter Schutz
Piste vor Gelaendemodellierung
Jenner-Piste im Jahr 1 nach Gelaendemodellierung

"Pisten-Ertüchtigung" am Jenner

und Roter Apollo

(17.8.09) Mit dieser Wort-Schönfärberei (Früher: Körper-Ertüchtigung) gelang es dem Büro Narr, Risk, Türk die Wiesenzerstörung am Jenner schmackhaft zu machen. Nach der Geländemodellierung sollte auch für die Natur alles schöner werden. Der Jenner ist eines der wenigen Gebiete, wo der Rote Apollo noch zu finden ist. Er steht in Deutschland seit 1936 unter Naturschutz und ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen weltweit geschützt. Er ist zudem eine der wenigen Schmetterlingsarten am Anhang IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Gelistet ist er auch im Anhang II der Berner Konvention.

Neben der Raupen-Futterpflanze (Weißer Mauerpfeffer) benötigt der Falter ein ergiebiges Angebot blühender Pflanzen für die eigne Nektarversorgung.

Auf nebenstehenden Foto können sie sich vom Zustand der 'geländemodellierten' Piste im Jahr 1 überzeugen. Außer Gräsern gibt es dort nichts, dabei sollte nach den Angaben des Landschaftsbüros durch die Maßnahme die Vielfalt gestärkt werden oder der Naturschutz für dumm verkauft?, fragt sich die Kreisvorsitzende, Rita Poser.

Der Apollofalter ist in vielen europäischen Regionen stark gefährdet oder akut vom Aussterben bedroht

Landtagsdebatte 1952 zum Bau der Bergbahn auf den Jenner im Naturschutzgebiet Königssee