Klimawandel und Wetterextreme – Werden die Alpen zum Katastrophengebiet ?

Dr. Gerhard Berz, Leiter i.R. GeoRiskForschung Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft, Klimatologe, München, www.munichre.de

Vortrag

6. März 2006

Bund Naturschutz Seminar Skifahren unter Palmen

Berchtesgaden Kur- und Kongresshaus

Klimawandel und Wetterextreme – Werden die Alpen zum Katastrophengebiet ?

Die Schadenbelastungen aus großen Wetterkatastrophen haben weltweit dramatische Ausmaße angenommen. Die inflationsbereinigte Zunahme gegenüber den 60er Jahren liegt für die letzten 10 Jahre beim Achtfachen für die volkswirtschaftlichen und beim Sechsundzwanzigfachen für die versicherten Schäden.

 Diese Schadenzunahme wird größtenteils von steigenden Bevölkerungs- und Wertekonzentrationen z. B. in besonders stark exponierten Regionen wie dem Küsten- und Alpenraum verursacht.

 Gleichzeitig gewinnt die rasch voranschreitende Klimaänderung immer größeren Einfluß auf die Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen. Da sind einerseits die großen Sturm- und Überschwemmungskatastrophen der letzten Zeit, die fast jedes Jahr für neue Schadenrekorde gesorgt haben, und andererseits die zahllosen Unwetter-, Hitze- und Schneekatastrophen, die heute häufiger denn je aufzutreten scheinen.

 Tatsächlich ergeben die Analysen von Beobachtungsreihen ebenso wie Modellrechnungen, daß sich die Eintrittswahrscheinlichkeiten für extreme Wetterereignisse bereits deutlich geändert haben und weiter rasch ändern werden.

 Im Alpenraum sind extreme Wetterereignisse schon heute die Hauptursache für Katastrophenschäden (s. Abb.). Hier stehen die Stürme bei der Zahl der Schadenereignisse und bei den versicherten Schäden mit Abstand an erster Stelle, gefolgt von den Überschwemmungen (die bei den volkswirtschaftlichen Schäden den größten Anteil ausmachen), den sonstigen Naturkatastrophen (u.a. Winterschäden, Waldbrand, Erdrutsch) und schließlich den hier nur selten schadenträchtigen Erdbeben.

 Das Bild ändert sich, wenn man die Schadenpotenziale extremer Naturkatastrophen betrachtet. Hier rücken dann Ereignisse in den Vordergrund, die zwar nur eine sehr kleine Eintrittswahrscheinlichkeit aufweisen, wie z. B. starke Erdbeben, große Bergstürze oder extreme Sturzfluten, die aber bei einem „Volltreffer“ in einer dichtbesiedelten Region außerordentlich hohe Schadenbelastungen auslösen können. Dieses „Restrisiko“ wird sich im Alpenraum beim weiteren Rückzug der Gletscher- und Permafrostgebiete und veränderten Niederschlagsverhältnissen rasch erhöhen.

 Aus der Sicht des Rückversicherers, aber auch aus gesamtwirtschaftlicher und politischer Sicht, gefährden Naturkatastrophen die nachhaltige Entwicklung in vielen Regionen. Auch in den Alpenländern liegen die möglichen Schadensummen in Größenordnungen, die eine umfassende Risiko- Partnerschaft zwischen Versicherungsnehmer, Versicherungswirtschaft und Staat erforderlich machen.

 

Naturkatastrophen im Alpenraum 1980 – 2005