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Ortsgruppen

Mitgliederversammlung: Bund Naturschutz kämpft an vielen Fronten

Kreisgruppe kritisiert Bobbahn, Kreisklinik an Saalach und Hotelprojekt am Königssee

Berchtesgadener Land- Die Baustellen des Bund Naturschutz gehen nicht aus: Wegen des geplanten Neubaus der Bobbahn, des geplanten nur schwer erreichbaren Kleinstwasserkraftwerks in der Bischofswieser Ache, des Hotelprojekts am Königssee und vieler anderer Themen kämpft die Kreisgruppe Berchtesgadener Land sozusagen an vielen Fronten

04.12.2023

Berchtesgadener Land- Die Baustellen des Bund Naturschutz gehen nicht aus: Wegen des geplanten Neubaus der Bobbahn, des geplanten nur schwer erreichbaren Kleinstwasserkraftwerks in der Bischofswieser Ache, des Hotelprojekts am Königssee und vieler anderer Themen kämpft die Kreisgruppe Berchtesgadener Land sozusagen an vielen Fronten. An der Versammlung im Freilassinger Rathaussaal nahm auch der Saaldorf-Surheimer Bürgermeister Andreas Buchwinkler und die Freilassinger Umweltreferentin Stefanie Riehl als Vertreterin der Stadt teil. 

Von zwei sehr engagierten Mitgliedern musste sich die Kreisgruppe erst kürzlich verabschieden: Edda Rettelbach, die sich sehr für die Aktion „Feuer in den Alpen“ eingesetzt hatte, und Peter Fischer, der legendäre Orchideenführungen im Nationalpark leitete. In einer Gedenkminute gedachte die Versammlung der Verstorbenen in der Kreisgruppe.

Die von der EU angekündigte Neuzulassung von Glyphosat für weitere zehn Jahre bedauerte die Kreisvorsitzende Rita Poser und begrüßte es, dass die Molkerei Berchtesgadener Land weiter auf glyphosatfreie Wiesen und Äcker setze. Die Online-Aktionen gegen die Neuzulassung sollten unbedingt unterstützt werden.

Mit Hilfe einer Landkreiskarte zeigte Poser die vielen Brennpunkte auf. Besonders ging sie auf das Thema Bobbahn ein. Hier habe es bereits viele Gespräche mit den Verantwortlichen gegeben, die der Bund Naturschutz von der Problematik und Sinnlosigkeit eines Wiederaufbaus überzeugen wolle. Er sehe große Hürden aufgrund der Geologie. „Das wird von den Verantwortlichen ausgeblendet.“ Negativ wirke sich hier auch der Humusschwund in den Alpen aus. Am Grünstein gebe es nur eine dünne Humusauflage. Aufgrund der hohen Wildbestände gebe es so gut wie keine Naturverjüngung. Der Bergwald befinde sich in Auflösung, und immer mehr Material rausche ins Tal. Um die Geschiebemengen zu ermitteln, müsse man aufgrund der seltenen Überfliegungen die Werte von 2010 verwenden. Eventuell seien Bohrungen nötig. 20 Prozent des  Einzugsgebietes seien durch starke Niederschläge gefährdet. Die Schutzzäune sollten deutlich erhöht und verlängert werden. Laut Ingenieurbüro würden sie nur helfen, wenn sich ein gesunder Bergwald wieder etabliert; dies sei hier nicht der Fall. „Es ist und bleibt ein Risikogebiet.“

Enorm bedauerte Rita Poser den weiteren Verlauf beim geplanten Hotelprojekt am Königssee. An einer idyllischen Stelle am Waldrand mit zwei großen Felsblöcken sei eine Schneise in den Wald geschlagen worden. Der Riesen-Findling sei von einer Steinbruchfirma aufwändig zerkleinert worden. Bisher habe die Gemeinde Schönau am Königssee keine Stellungnahme zur im Dezember 2021 vom BN eingereichten Klage zum Hotelprojekt – übrigens zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz – eingereicht. „Wir haben keine Ahnung, wie das weitergehen soll“, so die Kreisvorsitzende. Als weiteres „Sinnlosprojekt“ bezeichnete sie den Nassholzlagerplatz in Bischofswiesen, der 2019 am Klaushäuslweg errichtet wurde und eine Magerwiese, Lebensraum vieler Schmetterlinge, dafür zerstört wurde. Bis heute fand dort keine naßholzlagerung statt.

Aber auch im mittleren und nördlichen Landkreis gibt es zu tun: Poser kritisierte den geplanten Krankenhausbau an der Saalach und den anvisierten Büroneubau der Firma Schmölzl in Bayerisch Gmain in der Nähe des Edeka-Marktes. Teile der damaligen Ausgleichsfläche für den Edekamarkt sind nun für die neue Bebauung vorgesehen. Die Firma habe auch auf der anderen Seite der Bahn ein Büro, das man problemlos erweitern könne. Für Ärger sorge auch das von der Reichenhaller Stadtführung in Marzoll gewünschte Industriegebiet - statt eines einfachen Gewerbegebiets mit Höhenbeschränkung. Die Autobahnplanung könne eventuell wieder fortgeführt werden, doch dies sei letztlich wegen der leeren Kassen unwahrscheinlich. Auch den Reiherschwund bei der Fischzucht in Bad Reichenhall durch Abschüsse bemängelte sie.

Positiv gebe es zu berichten, dass eine Teisendorferin dem Bund Naturschutz in Oberteisendorf eine Teilfläche in einem FFH-Gebiet geschenkt habe. Auch die finanzielle Situation ist aufgrund der zahlreichen zweckgebundenen Spenden für die Klage gegen das Hotelprojekt am Königssee gut, wie der Kassenbericht von Schatzmeisterin Ute Billmeier zeigte. Zum Überschuss trugen zudem Zuschüsse bei, sowie heuer weniger Rechtsberatungen, in der Regel ein Hauptposten bei den Ausgaben. Dies werde sich 2024 ändern, kündigte Poser an, wenn die Kreisgruppe u. a. weiter gegen das geplante Kleinstwasserkraftwerk in der Tristramschlucht vorgehen müsse. Es sei für Geräte und Maschinen nur über die Bahngleise erreichbar, für Personen gebe es eine Röhre. Der vorgesehene Kran soll Verklausungsmaterial wie Baumstämme und Geschiebe über die Bahnoberleitung auf die andere Seite des Geländes transportieren.

Auf Antrag des Revisors Ulrich Scheurl erklärten sich die Mitglieder mit dem Zahlenwerk einverstanden. „Wir müssen viel Geld in die Hand nehmen, dass wir zu unserem Recht kommen“, merkte zum Thema Rechtsberatungen kritisch Paul Grafwallner an. Das Vorgehen mancher Genehmigungsbehörden nannte er „absolut demokratieschädigend“.

Einstimmig zum neuen Beisitzer gewähnt wurde Reinhold Bochter aus  Teisendorf. Das langjährige BN-Mitglied, inzwischen Pensionär, war zehn Jahre lang Schulleiter am Karlsgymnasium. Seine Doktorarbeit hat Bochter über die Böden in der Waldstufe im Nationalpark geschrieben. In den 1970ern und 1980ern Jahren war er aktiv in der Ortsgruppe Teisendorf. Das Thema „Bobbahn“ habe ihn wieder aus dem „Dämmerschlaf“ erweckt, sagte er in seiner Vorstellung. „Es ist wichtig, dass wir die natürlichen Lebensgrundlagen möglichst gut schützen. Ich würde dazu gerne meinen Beitrag leisten.“    Veronika Mergenthal