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Pressemitteilung zum Artikel "Wenn der Lebensraum abfließt“ vom 8. Oktober 2026

… und die Saalach verschlammt wird

Wegen Instandhaltungsarbeiten an verschiedenen Kraftwerksteilen musste ab Ende September das Wasser im Saalachsee abgelassen werden, so entstand der Titel des o.g. Artikels. Die größere Tragödie spielte sich aber flussabwärts ab.


Es ergoss sich mehr als zwei Wochen lang eine Schlammflut in das Flussbett. Inzwischen wurde wieder mit dem Aufstau begonnen und das Wasser der Saalach ist wieder klar.

Das Kiblinger Stauwehr hält alles Geschiebe, also Kies und Sand, des Gebirgsflusses Saalach zurück. Der Kies wird am Einstrom zum Stausee entnommen, und mittels einiger tausend LKW-Fahrten werden jährlich 50.000 m3 davon hinter die Staumauer gekippt und damit der Saalach wieder zugeführt. So will man verhindern, dass sie sich immer weiter eintieft. Der Sand aber sammelt sich im See und füllt ihn zunehmend auf, was das Speichervolumen massiv reduziert.

Das aktuelle Ablassen des Stausees hat, wie man leicht nachrechnen kann, viele 1000 Tonnen dieses Schlamms mitgerissen. Problematisch war, dass die Saalach aktuell, wie seit Monaten, Niedrigwasser führt. Durch den geringen Abfluss entstand eine wahre Schlammbrühe, die Trübung war bis in die Salzach nachverfolgbar.

Normalerweise werden sogenannte Stauraumspülungen nur bei höherem Wasserstand durchgeführt, um die Konzentration des Sediments im Abfluss zu senken. Dem Anspruch der DB Energie GmbH die Entleerung „so verträglich wie möglich vonstatten gehen“ zu lassen, „um die Auswirkungen auf Gewässerökologie und Fischfauna einzudämmen“ konnte so nicht wirklich entsprochen werden.

Die Fischer haben im Altwasser des Stausees, das weitgehend leerlief, wohl viele Fische retten können, dennoch sind die toten nicht zu übersehen. Der Fischbestand im Saalachsee entspricht mit Hecht, Barsch und Karpfen überhaupt nicht dem eines Gebirgsflusses.

Die Saalach unterhalb des Kraftwerks sollte mit Forellen, Äschen oder auch Mühlkoppen, die am Grund leben, ganz andere Arten beherbergen. Und hier fand die eigentliche Katastrophe statt. Wieviele Fische durch die Schlammflut umkamen, wissen wir nicht; auch ausgewachsene Forellen sterben bei sehr hohen Sedimentkonzentrationen. Die Jungfische hatten überhaupt keine Chance, sie sind über viele Flusskilometer erstickt. Gleich am Anfang der Flussstrecke liegt „das wertvolle Laich-, Brut- und Jungfischgebiet“ (ein Zitat aus den Planungsunterlagen für das Wasserkraftwerk Nonner Rampe) zwischen Luitpoldwehr und der Einmündung des E-Werkkanals. Die Forellen beginnen ab Oktober im steinigen Bodengrund zu laichen, jetzt gibt es dort aber nur noch Sand. Erich Prechtl vom Bund Naturschutz Freilassing bezeichnet den Fischbestand bis zur Mündung in die Salzach als schwer geschädigt. Schlimm ist auch, dass viele aquatische Kleinlebewesen, z.B. Krebse und Insektenlarven von Köcher- und Steinfliegen, also die Nahrungsquelle für Fische und auch manche Vögel, die Verschlammung des Gewässergrundes nicht überlebt haben.

Diese aktuelle Tragödie für das Leben im Fluss verdeutlicht ein großes Problem von Wasserkraftwerken, den Verlust des natürlichen Geschiebetransports. Das Saalachkraftwerk war mit seiner über hundertjährigen Geschichte und der Elektrifizierung der Bahnstrecke zweifellos zukunftweisend. Die Probleme für die Saalach waren jedoch unübersehbar; um der zunehmenden Eintiefung entgegenzuwirken wurde 1967/68 die Nonner Rampe gebaut, an der (laut Uni Stuttgart 2016) glücklicherweise die Geschiebedurchgängigkeit gegeben ist.

Jedes Querbauwerk im Fluss und jeder Aufstau eines Gebirgsflusses greift massiv in das Ökosystem Fluss ein und verändert den Charakter eines Gebirgsflusses völlig. Die Verwirklichung eines weiteren Wasserkraftwerks, wie an der Nonner Rampe geplant, würde diesen Lebensraum zusätzlich schädigen. Das Wasserwirtschaftsamt hat dieses Projekt daher bisher nicht genehmigen können. Wir haben neben vielfältigen Einwendungen gegen die Planung eine Petition gegen das Wasserkraftwerk Nonner Rampe gestartet (s. Reichenhaller Tagblatt vom 13.5.2026). Die bisher gesammelten 1000 Unterschriften werden wir demnächst im Rathaus Herrn OB Dr. Lung übergeben. Wir fordern darin auch, den Ersatz des maroden Nonner Stegs am bisherigen Standort zu planen und nicht Zeit und Geld für weitere Planungen für eine Brücke über ein Kraftwerk, das nicht genehmigungsfähig ist, zu verschwenden. Nebenbei wäre dieses Wasserkraftwerk völlig unwirtschaftlich, kein privater Investor würde so etwas bauen.

Dieser Sommer hat neben dem geringen Wasserfluss zufällig eines unserer weiteren Argumente untermauert: Die langjährige Temperaturentwicklung am Pegel Unterjettenberg zeigt einen kontinuierlichen Anstieg. Heuer wurden erstmals über 20°C gemessen, für die Forellen wird dieser ehemalige Gebirgsfluss zunehmend zu warm. In Bad Reichenhall liegt die Wassertemperatur der Saalach noch etwas höher; jeder weitere Aufstau durch ein Kraftwerk führt über die Verlangsamung der Strömung zu einem weiteren, vermeidbaren und damit unverantwortbaren Temperaturanstieg. Wir sollten unsere Fische nicht weiter gefährden und zweitens die wichtige Kühlfunktion der Saalach für das Stadtklima nicht schwächen.

 

Dr. Michael Wittmann
BUND Naturschutz Bad Reichenhall