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Bad Reichenhall: Nonner Rampe - ein Kleinod, das nicht verschwinden darf

Energie ja, aber nicht um jeden Preis

 

Nach einem ersten erfolglosen Anlauf im Jahr 2019 erfolgt wieder ein Versuch der Bayerischen Landeskraftwerke, der Stadt Bad Reichenhall und der Stadtwerke einen „Umbau der Nonner Rampe mit Wasserkraftwerk“ durchzuführen. Der Neubau des maroden Nonner Stegs soll ebenfalls über Kraftwerk und Rampe geführt werden. Obwohl im Amtsblatt angekündigt als „Öffentlichkeitsbeteiligung und Unterrichtung der Öffentlichkeit“ kam nichts davon an die Presse.

13.04.2026

Energie ja, aber nicht um jeden Preis

Nach einem ersten erfolglosen Anlauf im Jahr 2019 erfolgt wieder ein Versuch der Bayerischen Landeskraftwerke, der Stadt Bad Reichenhall und der Stadtwerke einen „Umbau der Nonner Rampe mit Wasserkraftwerk“ durchzuführen. Der Neubau des maroden Nonner Stegs soll ebenfalls über Kraftwerk und Rampe geführt werden. Obwohl im Amtsblatt angekündigt als „Öffentlichkeitsbeteiligung und Unterrichtung der Öffentlichkeit“ kam nichts davon an die Presse. 

Erstaunlicherweise erfolgt die Auslegung der Projektunterlagen, obwohl das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Traunstein dazu abschließend im November 2025 festgestellt hat, dass wegen der zu erwartenden negativen Folgen in Hinblick auf Geschiebedurchgängigkeit und Gewässerökologie eine Umplanung notwendig ist.

Trotzdem sollen schon im Herbst 2026 die Rodungsarbeiten für das Kraftwerk beginnen und soeben hat der Stadtrat im Haushalt 2026 100.000 € für die Planung des Neubaus des Nonner Stegs genehmigt. 

Wir meinen, hier ist über Jahre genug geplant und viel zu viel Steuerzahlergeld in den Sand gesetzt worden. Man fühlt sich unweigerlich an den Campus Zentralklink erinnert, der Standort Nonner Rampe ist genauso ungeeignet für ein Kraftwerk.

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, derentwegen zur teilweisen ökologischen Wiedergutmachung an der Saalach das WWA Fluss-abwärts kürzlich über 800m das Ufer zurückgebaut hat, verbietet jede ökologische Verschlechterung der Gewässer, letztlich zu unserem eigenen Wohl.

Die Antragsteller geben an, mit dem erzeugten Strom 2000 Haushalte versorgen zu können. Das klingt eindrucksvoll, das wären allerdings nur 5% des Gesamtstrombedarfs der Stadt; der Stromertrag ist jedoch unrealistisch überhöht angegeben. Ein großes Problem ist zudem, dass diese Strommenge nicht dann erzeugt wird, wenn wir Strom am dringendsten brauchen, nämlich im Winter. Jeder kann selbst beobachten, dass die Saalach von Dezember bis Februar kaum Wasser führt. Nach Berechnungen unseres Experten liefert das Kraftwerk an frostigen Wintertagen nicht einmal die Energie, die allein das Freibecken der Therme verbraucht.

Beim häufigen Niedrigwasser kann das Kraftwerk überhaupt nur sinnvoll betrieben werden, wenn man die Fallhöhe steigert und die Saalach an der Nonner Rampe mittels eines aufgesetzten Metallwehrs um 75 cm aufstaut. Damit staut sich die Saalach zurück bis zur Mündung des DB-Kraftwerkskanals, der Fluss wird damit über knapp 1km Länge zum Stausee. Am Saalachsee lassen sich die Folgen erkennen: mit großem Gerät muss regelmäßig Kies aus dem See entfernt und mit LKW's in den Fluss zurückgebracht werden.

Hier beginnen nicht nur die Probleme für die Lebewesen im Fluß: wertvolle Kiesbänke gehen verloren und Feinsand wird sich ablagern mit dramatischen Folgen für die Kleinlebewesen und den Fischbestand im Fluss. Hier entstehen auch Probleme für die Anwohner: Der Aufstau im Oberlauf der Saalach ginge einher mit einem entsprechenden Grundwasseranstieg, der die Keller eines wertvollen Puffers bei Hochwasser berauben würde.

Dazu kommt die Verklausungsgefahr am Kraftwerk, die auch ein fest installierter Teleskop-Kran über dem Kraftwerkskanal keinesfalls ausschalten kann. Derzeit liegen zwischen Luitpoldwehr und Kibling zwei 20m-Bäume samt Wurzelstöcken im Kiesbett, die bei einem Hochwasser mitgerissen werden. Wer beim Hochwasser 2013 auf der Kretabrücke die manchmal gleichzeitig angeschwemmten Baumstämme gesehen hat, wird diese Risikoeinschätzung teilen. 

Das Kraftwerk mit seinen Turbinen selbst wird die Fische, entgegen allen Beteuerungen und technischen Einbauten, nach wissenschaftlichen Untersuchungen erheblich schädigen.

Beidseits der Saalach soll wertvoller Baumbestand mit teils 150 Jahre alten Bäumen gerodet werden, die den beliebten Saalach-Uferweg beschatten.

Vor allem aber würde Bad Reichenhall mit dem Kraftwerk unzweifelhaft einen seiner schönsten Ausblicke verlieren. Der Anblick des über die Steine plätschernden Wassers in Kombination mit dem beruhigenden, heilsamen Geräuschpegel zieht regelmäßig die Menschen auf dem Nonner Steg in seinen Bann. Die Rampe ist zentraler Teil eines wichtigen Naherholungsgebietes für die Bewohner und Besucher der Stadt. Nicht umsonst hat man beim Bau den Steg in der Mitte verbreitert für diesen wunderbaren Blick, mit dem Müllnerhörndl im Hintergrund.

Es ist völlig absurd, dass die Stadt einerseits darauf achtet, dass man bei Bauvorhaben von der Straße aus Photovoltaik auf den Dächern nicht sieht; hier aber zerstört man bewusst touristisches Tafelsilber. Damit missachtet man auch völlig die Interessen künftiger Generationen.

So erstaunt es kaum, dass man auf vielen 100 Seiten Projekt-Unterlagen keine einzige Visualisierung findet, wie sich die Nonner Rampe mit der Brücke nach dem „Umbau“ präsentieren wird. Wir haben versucht anhand der Planzeichnungen mit Hilfe von KI und Fotomontage den künftigen Anblick einigermaßen realitätsnah darzustellen. Die Darstellung gibt die Rampe mit den völlig trockenen Felsen an den 270 Tagen im Jahr wieder, an denen das gesamte Wasser durch die Turbinen in den beiden Kanälen geführt werden muss. An weiteren 50 Tagen fließt Wasser zusätzlich nur über ein Viertel der Felsen direkt neben den Kraftwerkskanälen, drei Viertel bleiben weiterhin trocken. 

Unser Fazit: Dieses Wasserkraftwerk wäre für den gesamten Lebensraum Fluss Saalach ein geradezu zerstörerischer Eingriff und es würde wesentliche Interessen der Bevölkerung Bad Reichenhalls verletzen. Energiewende ja, unbedingt sogar, aber dieses Projekt ist mit elementaren Grundlagen von Naturschutz nicht vereinbar und auch wirtschaftlich zweifelhaft. 

Also lieber die Nonner Rampe weiter genießen und lediglich den Nonner Steg an alter Stelle erneuern, vielleicht nach dem Vorbild Staufenbruck aus Holz? Die Versorgungsleitungen können wie bisher unter der Fahrbahn verlegt werden ohne die geplante teure Spartenquerung unter der Saalach hindurch, die wegen einer zusätzlich eingeplanten Fernwärmeleitung nach Nonn erforderlich würde. Diese wäre ökologisch und ökonomisch unsinnig. Die bereitgestellten 100.000 € für die Planung des Nonner Stegs wird die Stadt hoffentlich nicht für Luftschlösser ausgeben.

Dr. Michael Wittmann