Zerstörung im Ramsauer Zauberwald geplant
Zerstörung im Zauberwald geplant
Vertreter des Fischereivereins Berchtesgaden/ Königssee, des Landesbund für Vogelschutz und des BUND Naturschutz beim gemeinsamen Ortstermin an der Ramsauer Ache unterwegs
Das bayerische Umweltministerium legt größten Wert auf den Schutz seiner Naturdenkmäler. Je mehr sowohl Einheimische als auch Urlauber über das geologische Erbe in der Ramsau wissen, umso sicherer sollte der Schutz des Geotops in der Ramsau sein. Die Gemeinde selbst wirbt mit einem der 100 schönsten Geotope Bayerns und ‚lässt uns eintauchen in die magische Landschaft.‘ Aber weit gefehlt.
Seit Juni 2026 liegen die Antragsunterlagen für ein neues Kleinwasserkraftwerk - als Revitalisierung bezeichnet- in der Ramsauer Ache aus. Statt des Altrechts von 150 Litern pro Sekunde, das in den letzten Jahren auf 300 und später noch auf 450 Liter pro Sekunde erhöht wurde, möchte der Antragsteller künftig 2.000 Liter pro Sekunde entnehmen. Diese Menge führt der Fluss maximal an 60 Tagen im Jahr, die sich durch den Klimawandel künftig reduzieren werden. Wegen des minimalen Restwassers wird künftig auf einer Strecke von dann insgesamt 550m (Luftlinie) nur noch an wenigen Tagen im Jahr das erwiesen beruhigende, heilsame Rauschen der Ache entlang des Wanderweges zu hören sein. Nur an wenigen Tagen im Jahr plätschert dann in diesem Bereich längs des Wanderweges noch Wasser. Etwas weiter oben Richtung Hintersee soll ein großer Aufstau erfolgen, so dass auch hier nicht mehr am Flussufer Kontakt zum Wasser aufgenommen werden kann. Dabei zeigen die zahlreichen Spuren, dass dies sehr gern wahrgenommen wird und der Wanderweg zu den besonders Beliebten rund um den Hintersee gehört auch wegen seiner einmaligen Kulisse mit den beeindruckenden Geländeformen des Zauberwald Bergsturz Geotops und des daraus resultierenden Blockwald Biotops. Das neue Wehr wird – entgegen der Meinung des Antragstellers – vom Wanderweg aus unübersehbar sein und den Naturgenuß stören.
Auf der gegenüberliegenden Seite sollen für das Entnahmerohr zahlreiche Bäume gefällt werden, dafür Nistkästen aufgehängt und die Uferböschung auf einer Länge von rund 100 Metern mit einer mindestens 8 Meter breiten Baustraße komplett aufgegraben werden. Angaben zur Grabentiefe fanden sich in den Unterlagen nicht. Weil das Rohr mit einem Innendurchmesser von 1,20 Meter frostsicher verlegt werden muss, kann sich wohl jeder den damit verbundenen Eingriff in der Uferböschung vorstellen, denn mit kleinen Maschinen lässt sich das nicht umsetzen.
Unklar ist auch, wie der Aufstau von ca. 1,50 - 1,70 Metern am Tiroler Wehr sich auf den Wanderweg auswirkt. Ganz zu schweigen vom Makrozoobenthos, dazu gehören Organismen wie Insektenlarven (z.B. Köcherfliegen), Würmer, Schnecken, Muscheln und Krebse, auf die die Fische (u.a. die klimatisch immer seltenere Bachforelle/Steinforelle) als Nahrungsgrundlage angewiesen sind. Entgegen der Behauptung im Gutachten des Antragstellers können Fische bis zu mehrere Meter hohe Steinstufen wie im Zauberwald erspringen,sodaß wir auch bei unserer gemeinsamen Begehung mehrere Fische im künftig beeinträchtigten Bereich beobachten konnten (einer davon siehe Foto).
Größte Sorge ist bei den geplanten Rodungen und Bodenarbeiten angebracht, weil mit Harvestern und Baggern solche Neophyten wie Springkraut und japanischer Knöterich in den bislang davon unberührten Zauberwald eingeschleppt werden, wie abschreckende Beispiele im Landkreis zeigen; für soclchen Umweltschaden könnte dann wieder Niemand zu Rechenschaft und Schadenersatz herangezogen werden!
Bei den Bauarbeiten solle große Blöcke versetzt und wieder eingesetzt werden, zuvor die spezielle , dünne Tangelhumusdecke entfernt, später wieder aufgetragen werden: dieses Vorgehen ist höchst problematich wegen der schwierigen Regenerationsfähigkeit, auch angesichts derTatsache daß der Landkreis Berchtesgadener Land mit jährlich durchschnittlich 3mm Humusabtrag einen traurigen Spitzenplatz am Kalkalpennordrand einnimmt!
Deshalb sagen wir: „Hände weg von der Natur“.
Übrigens kann Jedermann in der Zeit bis 13. August 2026 bei der Gemeinde Ramsau oder dem Landratsamt BGL seine Einwendungen gegen das Projekt vorbringen.
Rita Poser
Dr. Volker Diersche










