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Bad Reichenhall - Nonn

Mineralwasser-Abfüllanlage und geplanten Veränderungen bei der Fischzucht

 

(06.08.2013) Werner Steinbacher gab ausführlich Auskunft über seine Pläne und die bisherigen Schritte zur  beabsichtigten Mineralwassergewinnung. Die „Waldquelle“ unmittelbar oberhalb der Fischzucht sei schon von den Ur-Karlsteinern in der Römerzeit genutzt worden, deren Siedlungen am Langacker nachgewiesen sind. Sie werde aus tiefen und sehr alten Grundwässern gespeist und verfügte über eine gut dokumentierte und außergewöhnlich günstige Mineralzusammensetzungen und nachgewiesene Keimfreiheit. Nach den bisherigen Vorstellungen würde nur ein kleiner Teil der Schüttung genutzt – es handelt sich dabei um 3 Liter pro Sekunde. Damit der vorhandene Kanal, der an der Grenze der Aufnahmekapazität ist, nicht mit dem Abwasser aus der Flaschenreinigung belastet wird, investiert Herr Steinbacher in eine neue Abwasserleitung, bei der zur Zeit die Bauarbeiten laufen.

 

Bei den Naturschützern bestanden auch keine Bedenken gegen die Mineralwassergewinnung, zumal durch eine örtliche Abfüllung Transporte insgesamt  verringert werden können. Probleme werden jedoch bei der bereits erfolgten Rodung eines halben Hektars wertvollen Bergmischwaldes, einer großen alten Hecke und der Verfüllung von Teichen gesehen. Die Genehmigung für diese Eingriffe erfolgte  ungewöhnlich rasch und ohne jede Beteiligung des nichtamtlichen Naturschutzes.

Die Verantwortung dafür sieht Steinbacher in erster Linie bei den Behörden. Er hätte naturverträgliche Lösungen bevorzugt, die aber insbesondere vom Wasserwirtschaftsamt und der zuständigen Naturschutzbehörde verändert worden seien. Im Gegenzug hätte er aber umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen bzw. –zahlungen geleistet, deren Sinn den Naturschützern allerdings verborgen blieb.

 

Die Hecke sei von den Behörden als wertlos bezeichnet worden. Er habe sie für die von der Stadt geforderten Straßenverbreiterung beseitigen müssen, weil auf der Wiesenseite der Nachbar jegliche Grundabtretung verweigert habe. Die Naturschutzbehörde habe lediglich die sofortige Rodung – vor der Brutperiode – und einen Krötentunnel verlangt. Dieser Krötentunnel sei aber in der geforderten Größe im Gelände nicht realisierbar, außerdem seien die Kröten in den letzten Jahren verschwunden. Verantwortlich dafür seien hauptsächlich die Fischreiher, die dort in großer Zahl auftreten und die auch vor dem Froschlaich nicht halt machen.  Das gelegentlich angeführte Vorkommen von Schildkröten blieb zweifelhaft.

 

Bei der Verfüllung von 8 Teichen – etwa 20 von den ursprünglich über 60 Teichen werden weiter genutzt – wurde von den Naturschützern kritisiert, dass dies einfach entlang der Straße aus dem örtlichen Aushub eher planlos bereits erfolgt sei und aus dem Baustellen-Aushub der Mineralwasser-Abfüllanlage ergänzt werden solle. Auch hier macht Steinbacher die Genehmigungsbehörden und Fachplanungen verantwortlich, die die jetzt realisierte Lösung gefordert hätten. Befürchtet wird daher eine weitere planlose Auffüllung, um letztlich Baugrund zu generieren. Es wäre doch sinnvoller gewesen, die Gesamtanlage durch befahrbare Auffüllungskorridore zugänglich zu machen, um die Bewirtschaftung zu erleichtern. Nach Schließung der 8 Teiche solle die Fischzucht im nunmehrigen Umfang unbedingt beibehalten werden,  so Steinbacher. Er habe nach Auslaufen des bestehenden Pachtvertrages in zwei Jahren bereits mehrere Interessenten. Eine Reaktivierung der stillgelegten Teiche im Süden sei deshalb nicht möglich, weil dafür das Wasser nicht reiche. Er sicherte zu, dass die alten ungenutzten Teiche weiterhin der Natur überlassen würden. Für Vorschläge des Bund Naturschutz sei er jederzeit offen.

 

Die Naturschützer bedankten sich bei Steinbacher für die umfassende und offene Information. Die Rodungen und Verfüllungen seien äußerst bedauerlich, aber im Nachheinein nicht mehr zu ändern. Die Naturschutzverbände und die Bürger seien wie in vielen Fällen außen vor geblieben. Sie begrüßten, dass Steinbacher die Fischzucht weiter betreiben will. Die Nachfrage nach regional und naturnah erzeugten Fischen sei kaum zu decken und weiter steigend. Auch die Nachzucht von Fischbrut aus regionalen Beständen für den Besatz der Gewässer sei zunehmend bedeutsam. Deshalb ist für die Landschaft im Reichenhaller Talkessel, den Artenschutz und die Erhaltung der Biodiversität die Aufrechterhaltung der über 100-jährigen Tradition einer  Fischzuchtanstalt sehr zu begrüßen. Besonders erfreulich ist  die zugesicherte Bereitschaft des Eigentümers, die aufgelassenen Teiche weiter der Natur zu überlassen. Hier ist es notwendig, eine längerfristige Gesamtplanung  in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz zu erstellen. Auch an der Bekämpfung von Springkraut und anderen Neophyten will sich die Ortsgruppe weiter beteiligen und sich bezüglich eines geeigneten Amphibien-Tunnels bei den Fachleuten im Bund kundig machen.

Ute Billmeier

Ortsvorsitzende