Wildbestand regulieren

Gespannt und erwartungsvoll schauen die Gäste in die Umgebung
Wanderwege mit Erholungswert wie sie beliebt sind
auch der Feuersalamander fehlte nicht
Keine Angst vor Reptilien
Baumpilze - sollen essbar sein
Schafherde: Sie sind die Milchlieferanten für den schmackhaften Käse des „Auergütels“. Dr. Eckke Feist (4. v.l.) informiert über sein Milchschafhaltung.
Verbissschutz: Auf jeder Weide soll ein großer Baum für die Tiere stehen, doch bis der groß genug ist, muss Feist ihn vor Verbiss schützen.
- geschälte Rinde
Zum Absterben verurteilt
Hier war es der Verbiss
Keine Chance - schon jetzt abgelebt - verfegte Tanne
Faszinierend - Alte Bäume
Kälteresistent - Weinreben aus der Römerzeit
Zahlreiche Kiefern irritieren Forstexperten zunächst
müssen zunehmend mit Steuergeldern finanzierten Forststraßen weichen

Dr. Ekke Feist zeigt, wie ein naturnaher Mischwald entsteht

 (22.05.2012) Im Rahmen der Bayern Tour Natur hatte der Bund Naturschutz zu einer Führung eingeladen. Über die besondere Schutzfunktion eines gesunden Bergmischwaldes sprach Dr. Ekke Feist rund 20 Teilnehmern aus dem Landkreis, denn ein Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume. Auf seinem Grundstück, dem „Auergütl“ in der Oberau, wurde der Einfluss von Wildschutzzäunen auf Erst- und Wiederaufforstungen allen Teilnehmern anschaulich präsentiert.

Lücken im Bergmischwald - Ursachen

Zu Beginn der Führung wies Feist auf die Lücken im Privatwald des Zinkenkogels sowie im Staatswald am Thannkogel hin und erläuterte, dass zu hohe Wildbestände die natürliche Verjüngung im Bergwald verhinderten. Während seiner langen Berufstätigkeit als Diplom-Landwirt im Bereich agro-silvo-pastoraler Landnutzungssysteme, einem Verbund aus Ackerbau, Wald- und Weidewirtschaft, habe er oft ähnliche Verhältnisse erlebt: Überhöhte Tierbestände zerstörten die natürliche Vegetation mit der Folge, dass durch Wasser-erosion, Geröll- und Schlammlawinen nach Starkregen erhebliche Schäden entstünden. Die Waldflächen der Feists seien charakteristisch für die Gesamt-situation im Einzugsgebiet des Larosbaches in der Oberau. „Nicht umsonst wurde schon vor langer Zeit das Roßfeldwaldgebiet als vordringlich sanie-rungsbedürftig ausgewiesen“, sagte Feist. In den letzten Jahren häuften sich hier die Hochwasser- und Murenschäden, von denen er auch direkt betroffen war. „Längerfristig ist die Situation mit technischen Maßnahmen alleine nicht in den Griff zu bekommen“, so der Anwohner, daher seien auch biologische Maßnahmen zur Sanierung der Wälder erforderlich.

 

Standortgerechte Baumarten und Exoten

Wie das aussehen kann, zeigte Feist während des Waldbeganges. Hier versucht er mit waldbaulichen Maßnahmen, einen artenreichen Bergmischwald durch Erst- und Wiederaufforstungen mit standortgerechten Baumarten, Förderung der Naturverjüngung und Anlegen von Hecken als Waldvorbau und zur Waldrandgestaltung aufzubauen. Dazwischen finden sich auch einige Exoten wie die Zeder. „Aber nur hinter dem Zaun entwickelt sich der gewünschte Wald“, fasst Feist seine bisherigen Mühen zusammen. Außerhalb der Zäune bewirke der Wildverbiss eine Entwicklung hin zu reinen Fichtenbeständen.

„Die Tannen werden geschält, verfegt und verbissen“

Was geschehen würde, wenn die Zäune aufgelassen würden, fragte ein Teilnehmer. „Die Tannen werden geschält, verfegt und verbissen“, lautete Feists Antwort. Aber auch innerhalb der Zäune gab es Schäden, wenn diese vor al-lem im Winter bei viel Schnee leicht überwunden werden können. Kritisch merkte der Waldbauer an, dass man leider die Chance einer Änderung der Jagdpachtverträge vertan habe, als Anfang des Jahres die Jagd in dem Gebiet neu vergeben wurde und der Schadenersatz für Wildverbiss im Vergleich zu landesüblichen Verträgen stark reduziert wurde. „Wald vor Wild“ heißt seine Devise; ein Wald müsse sich ohne Zäune und chemischen Schutz verjüngen können. Außerdem seien inzwischen die Kosten für die Schutzmaßnahmen enorm gestiegen – eine Zumutung für private Waldbesitzer. Wenn das Ziel eines artenreichen, standortgerechten Bergmischwaldes erreicht ist, erst dann kann es heißen: Wald und Wild.

Große Vielfalt + Schafherde

Besonders angetan waren die Besucher des „Auergütls“ von der großen Vielfalt an Pflanzen. Verschiedene Hecken und Rankpflanzen dürfen auf dem Feistschen Gelände wachsen und gedeihen, wo es ihnen am besten gefällt. Neben dem optischen Zugewinn, stellen sie aber auch einen wichtigen Lebensraum für unzählige Insekten, Reptilien, Amphibien, Vögel und kleinere Säugetiere dar. Herzstück des Bergbauernhofes ist die kleine Milchschafhaltung, deshalb berichtete Feist ferner kurz über die Schafhaltung und vor allem über die Produktion von Milch, Wolle und Fleisch sowie deren Weiterverarbeitung. Zum Schluss der Veranstaltung lud Feist dann seine Gäste auch ein, zu einer Jause mit hofeigenen Produkten. Kletzenbrot, frisches Holzofenbrot und verschieden eingelegte Käsesorten aus eigener Herstellung schmeckten hervorragend und rundeten den informativen Exkursionstag ab.