Unsere Staudenknöteriche

Japanischer Staudenknöterich - Fallopia japonica

Böhmischer Staudenknöterich - Fallopia bohemica

Familie:  Knöterich Gewächse – Polygonacae

Gattung: Flügelknöteriche - Fallopia

(10.02.20) Entlang des Weißbaches in Bad Reichenhall wurde aus Neugierde 2009 an einer kleinen Strecke von ca.60 Metern der auffällige Bewuchs beobachtet und bearbeitet. Die gesamte Böschung war von Staudenknöterich eingenommen. Es waren der Japanische Staudenknöterich, Fallopia japonica und eine Kreuzung, vermutlich der Böhmische Staudenknöterich, Fallopia bohemica.

Die Böschung mit Fahrrad und Gehweg wurde ca.2001 vom Wasserwirtschaftsamt angelegt. Die damalige Bepflanzung hatte keine Chance da jährliches Abmähen der Uferböschung wegen des Knöterich-Aufkommens das Wachstum der Sträucher und Bäume verhinderte.

Es konnte damals nicht eruiert werden wer oder welches Amt die Mäharbeiten durchführte. So wurden Pfähle zur Kennzeichnung an die kümmerlichen Sträucher gesetzt die nach und nach bei Entfernen des Knöterichs zum Vorschein kamen.

Bis auf Wegränder bleibt seit her die Böschung ungemäht und zeigt zwei Teile. Auf einer Hälfte gedeiht der Knöterich weiterhin und die andere Hälfte, getrennt von einem Mittelstreifen der schon immer beinahe Knöterich frei ist, gedeiht eine wunderbare vielfältige Flora - eine außerordentliche Wildnis.

Bekämpfung:  Bekämpfung zielt darauf die Energievorräte der Pflanze zu schwächen. Bei den ersten Versuchen dem Knöterich Herr zu werden wurden die bereits sehr großen Pflanzen geerntet. Wenn ein früher Zeitpunkt nicht möglich ist, dann sollten die Stiele spätestens Ende August bis Mitte September, kurz vor oder nach der Blüte, ehe die Kraft in die Wurzeln zurückzieht, entfernt werden.

 Einfach und effektiv ist es die jungen Pflanzen noch vor einer Höhe von 40-60 cm herauszureißen oder schneiden. So ist die zu entsorgende Masse klein und handlich. Der Knöterich antwortet auf Abschneiden mit verstärktem Neuaustrieb. Diese vielen Triebe sind dann kleiner und dünner. Er wächst sehr schnell so das mehrmals im Jahr geschnitten werden muss.

Viel leichter als einen etablierten Bestand zu bekämpfen ist es neue Bestände zu vermeiden in dem die ersten jungen Pflänzchen gesichtet und herausgezogen werden. Mit wenig Aufwand konnte auf diese Weise beiläufig bei Besuchen in der Au ein paar Staudenknöterich Großbestände verhindert werden.

Die Arbeitsstunden an der Böschung wurden anfänglich nicht dokumentiert. Sie waren um vieles mehr als jetzt 10 bis 15 Stunden in einer Saison (Mai-Oktober). Über mehrere Jahre hinweg muss ein Gebiet immer wieder nachgearbeitet werden besonders wenn andere Bestände in unmittelbarer Nähe sind.

Kurzbeschreibung:

Der Staudenknöterich erscheint in dem kleinen Gebiet der Ufer Böschung und in seiner nächsten Nachbarschaft in der Marzoller Au als recht facettenreich. Für einen Laien war dies anfangs sehr verwirrend.

Die ausdauernde Staudenpflanze wird 2-4 Meter hoch. Die oberirdischen Teile der Pflanze sterben im Herbst ab und verholzen. Der Japanische Knöterich (JK) ist in seiner Heimat kleiner und zierlicher. Der hiesige JK und besonders der Böhmische Staudenknöterich, eine Kreuzung von Japan Knöterich mit dem Sachalin Knöterich, sind stärker, größer und aggressiver in der Ausbreitung. 

Die Form und Größe der Blätter und der Blüten sind unterschiedlich. Behaarung der Blätter ist auch unterschiedlich ausgeprägt. Die hohlen Stiele sind mehr oder minder rötlich gestrichelt und besitzen Knoten.

Blätter sind wechselständig und die Zweige zeigen bei dem JK deutliche Zick Zack Linie. Blätter des JK sind breit eiförmig mit schmaler Spitze und sehr deutlich rechtwinklig gestutztem Blattgrund. Blätter vom Böhmischen Staudenknöterich sind meist runder, größer, ledrig, herzförmig mit gewelltem Rand.

Vermehrung geschieht, laut Fachliteratur, in Europa meist vegetativ über die Rhizome.  Das sind unterirdische Ausläufer der Sprossachsen.  Diese gehen Meter tief und in alle Richtungen und nehmen ständig an Masse zu.  Auch cm kleine Abbrüche wurzeln zu neuen Pflanzen. Besonders an Flussläufen werden Pflanzenteile leicht abgeschwemmt und bei Bauarbeiten werden Pflanzenteile mit Aushub auf andere Gebiete verteilt.

Auf meinem Balkon wurde allerdings drei Mal Staudenknöterich aus Samen erfolgreich und mühelos herangezogen.

Die extrem starke Ausbreitung des Neophyten bedeutet eine Gefahr für heimische Flora und Fauna denn dieser Knöterich verdrängt beinahe alle anderen Pflanzen. Die „Spreng“ kraft der Rhizome kann Schäden an Mauerwerk, Gleisanlagen Hochwasserschutzbauten, Ufern und Dämmen verursachen. Mit Japanknöterich befallene Immobilien verlieren in England an Wert und es kann schwierig werden ein Grundstück mit Knöterich Bewuchs zu verkaufen.

Entsorgung der Pflanzenteile ist extrem wichtig. Es dürfen Stiele und Rhizome auf keinen Fall in Bäche oder wild in der Landschaft geworfen werden. Nicht selbst kompostieren, sondern örtliche Behörden einschalten. Zur Bekämpfung und Entsorgung gibt es vielerlei Literatur.

Gift (Glyphosat etc.) und importierte Schädlinge gegen diese Pflanze lehne ich ab.  Es gibt Nebenwirkungen und Freilandsetzen von Schädlingen kann außer Kontrolle geraten.

Ich beschränke mich hier auf meine Erfahrung mit mechanischer Bearbeitung. In Zusammenarbeit mit dem Städtischen Gartenbauamt dürfen die Pflanzenreste des Staudenknöterichs in extra dafür vorgesehene Sammelbehälter gegeben werden. Nach Verrottung bleiben nur wenige Reste die in 1 oder 2 Jahren zur Entsorgung abgeholt werden.

Schlusshinweis:

Wer sich mit diesem Thema befasst sieht leider plötzlich überall den Feind und seine Ausbreitung. Da möchte ich daran erinnern, dass wir Menschen diese Pflanze zu uns geholt haben für ihren Nutzen. Als schöne unkomplizierte Pflanze sollte sie die Gärten bereichern.

Die Imker sahen den Vorteil als Bienenweide.   Sie kann auch tatsächlich zum Nutzen sein als Nahrung, Pflanzenschutz und wie in Japan als Heilpflanze. In der Wildkräuterküche ist sie schon viele Jahre bekannt und die verholzten Stiele sind ein prima Material für Dekorationen und Bastelarbeiten.

Zu Briketts gepresst taugen sie zum Heizen

Leider ist aber unsere Artenvielfalt durch diese Staudenknöteriche in vielen Gebieten schon jetzt drastisch reduziert.  Die Gefahr wird aber durch Nichts-Tun nicht gebannt. Wir werden lernen müssen mit den Staudenknöterichen zu leben und das heißt anpacken. Wir sollten nicht so lange warten bis die Zustände so extrem sind wie in England.

Das es möglich ist gegen diese invasiven Pflanzen etwas zu tun ist auch ein Thema in der Publikation von der Akademie Natur und Landschaftspfleg in Laufen, Broschüre Anliegen Natur 30 Jahrgang 2006.

 

www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/index.htm

Monika Woelfel


Vielfalt statt Staudenknöterich


Japan Knöterich auf dem Vormarsch

(16.10.09) Zu beobachten ist die rasante Ausbreitung dieses Neophyten sehr gut am Weißbach in Bad Reichenhall in den Flussauen und besonders an den Ufer Böschungen der Saalach. Aber nicht nur in der Nähe von Gewässern ist er zu finden. An Straßen und Waldrändern hat er Fuß gefasst und in Gebieten, wo sorglos verkompostiertes Material zum Aufschütten gebraucht wurde.

Einheimische Kräuter, Gräser und Sträucher sind chancenlos, wenn dieses Gewächs eingewachsen ist.

Der aus Ost-Asien stammende Japan Knöterich, Fallopia Japonica, oder auch Stauden Knöterich genannt, sieht dem Bambus ähnlich und wächst bis 2,50 m evtl. 3,00 m hoch. Die späte Blüte in August/ September ist von Imkern geschätzt, jedoch ist der Schaden, der von dieser Pflanze ausgeht, zu hoch, um sie als Bienenfutter zu dulden.

Je nach den verschiedenen Arten unterscheiden sich die Blattformen und Größen.  Bei diesem, in unserer Gegend sehr verbreitetem Knöterich sind die Blätter ledrig derb, eiförmig  mit schmaler Spitze und rechtwinklig  gestutztem Blattgrund.  Sie werden bis zu 20 cm lang und 13 bis 15 cm breit.

 Der Japan Knöterich  verbreitet sich bei uns maßgeblich über Rhizome, das sind unterirdisch verlaufende, verzweigte Ausläufer. In ihnen ist bis zu zwei Drittel der Biomasse gebunden. Aus den Rhizomen werden Sprosse und neue Rhizome gebildet, so dass der Pflanzenbestand sich pro Jahr ungefähr um einen Meter in alle Richtungen ausdehnen kann.

 Wichtig ist daher, Wachstum und vor allem Ausbreitung stark einzuschränken.  Auf keinen Fall sollten diese wurzelähnlichen Rhizome, auch nicht die kleinsten Teile davon, auf den haushaltsüblichen Kompost. Auch die hohlen kräftigen Stängel sind problematisch bei der Kompostierung und dürfen nicht so entsorgt werden, dass sie wieder austreiben können. Auf kleineren Flächen hilft auch konsequentes Abschneiden oder Herausreißen der Stängel und dies alle 3 bis 4 Wochen. Dadurch werden die Speicherwurzeln geschwächt und die schnelle Ausbreitung ist beendet. Allerdings muss dafür die Entsorgung der Pflanzenteile geklärt sein.

Wer mehr darüber wissen möchte, kann sich an den Bund Naturschutz in Bad Reichenhall, Poststraße 23 wenden.

Neophyzia

aktualisiert: 18.7.2014